Dienstag, 7. September 2010

Es kam, sah und siegte ...

[Foto © Stephan Böhlig]
Das allererste Sound-of-Bronkow ist vorbei. Ich bin noch nicht wieder richtig im Leben angekommen, so unbeschreiblich schön war es. Ich hab es jetzt erstmal alles verdauen und rekapitulieren müssen und festgestellt das es sich mit keinem Adjektiv auf diesem Planeten beschreiben lassen könnte. Wer nicht dabei war hat definitiv etwas verpasst.
In einer kleinen familiären Atmosphäre haben sich 18 Künstler das Mikro und die Gitarre in die Hand gedrückt und knapp über 200 Leute zum staunen, weinen, lachen und verzückt sein gebracht. Veranstaltet wurde das ganze von dem netten Kumpel&Friends-Label aus Dresden, daher kannte ich also auch schon ein paar Künstler und ging nicht ganz unvorbereitet da hin. Trotzdem hat es auch mein Herz zum stolpern gebracht, weil ich endlich meine ganzen Lieblingskünstler auf der Bühne sehen konnte und das immerhin alles an 2 Tagen, ohne mich in Unkosten zu stürzen und eine lange Autofahrt auf mich nehmen zu müssen.

Mein Start des Sound of Bronkow begann mit meiner großen Liebe namens Garda, die ich hier schon einmal erwähnt hatte. Garda machen wunderschöne melancholische knarzige Gitarrenmusik, die durch die Stimme von Kai Lehmann etwas ganz besonderes ist. Trotzdem war ihr Auftritt alles andere als melancholisch, sondern eher fröhlich angehaucht und rockiger als man erwarten könnte. Kai meinte während des Auftrittes noch scherzhaft, dass sie uns nicht gleich am ersten Tag zum weinen bringen wollten und haben deshalb ihre Lieder etwas weniger traurig gespielt und dafür ordentlich den Saal gerockt. Immer wieder schön anzusehen ist es wenn alle Gardisten in ihrem Element sind. Leider sind sie recht wenig das letzte Jahr auf Tour gewesen und noch weniger in Dresden. Hoffentlich ändert sich das nach diesem fulminanten Auftritt wieder.
Als nächstes war David Dondero an der Reihe. Sozusagen eine Ein-Mann-Band und auch etwas ganz besonderes für die Ohren. Die eher lustigen Texte haben etwas unlustiges bekommen, als man angefangen hat nicht nur auf die Melodie zu hören sondern auch verstärkt auf den Text. Gekonnt amüsant hat er trotzdem seine Witzchen gerissen, als die ersten wieder gegangen sind oder als das Publikum sich zwischen einem Cover von Paul Simon und Bob Dylan entscheiden musste, weil ihm dann partout kein Lied einfallen wollte.
Nils Koppruch verzauberte dann wieder mit deutschsprachiger, in den höchsten Tönen zu lobende lyrischer Musik. Für mich war er einer der wenigen Unbekannten auf dem Festival, aber in Erinnerung wird er mir trotzdem bleiben.
Somit war der Freitag an sich schon vorbei und ich konnte mich sehr auf den nächsten Tag freuen, zumal da ein musikalisches Feuerwerk nach dem anderen gezündet werden sollte. Ich war so aufgeregt, dass ich die Nacht kaum geschlafen habe und demzufolge Samstag dann auch Andi Mayrock verpennt hatte. Allein das letzte Lied durfte ich geniessen und kann deswegen gar nix zu ihm schreiben (Ja es ärgert mich ungemein, da alle sehr von ihm geschwärmt hatten)
Als nächstes betrat ein junger Herr die Bühne. Etwas leicht verpeilt setzte er sich auf den Stuhl, nahm die Gitarre in die Hand und hauchte ins Mikro: „ich bin Ich, Alexander und wohn auf der Torgauer Straße 10. Und ich brauch für meine Wohnung eine neue Couch. Da drüben am Stand gibt’s die CD von mir. Wäre lieb wenn ihr eine kauft und mich dann dabei unterstützt das ich mir die Couch leisten kann. Es ist auch wirklich keine große oder teure ...“ Gekicher aus den letzten Reihen und fröhliches Grinsen auf den vorderen. Nach dem ersten Lied wussten wir das der Junge auf dem Festival genau richtig ist. Seine Lieder haben so alles sagende Titel wie: „Unterhosen und Coladosen“, „VierDreiVier“, „Ab und zu, nehm ich ab und zu“ oder „Das Battle mit der Kaltrowelle“. Von den Titeln sollte man sich allerdings nicht fehlleiten lassen, dass er ein Spasspoet mit Brille ist. Ganz im Gegenteil hat jedes seiner Lieder einen so ungemeinen Tiefgang wie man es selten von Menschen in diesem Alter gewöhnt ist (immerhin ist er erst 19). Seinen Werdegang werde ich definitiv mit Argusaugen weiter beobachten.
Nach einer kurzen Umbaupause betraten eine mir wieder bekannte Band die Bühne: The Green Apple Sea. Diesmal alleine nur mit Gitarre und einem Sack voller schöner Musik von ihrem neuen Album Northern Sky/Southern Sky. Als Stefan Prange dann die ersten Töne spielte und von seinen zwei Bandmitgliedern gesanglich unterstützt wurde, erschien dann auch endlich mal die Sonne. Ob es wohl an der Musik lag? Und da der Auftritt so schön war, freu ich mich gleich noch mehr auf ihr Konzert am 15.10.
Nachdem The Green Apple Sea die Bühne geräumt hatten und wir uns noch die letzten funkelnden Sterne einer Traumwelt aus den Augen wischten wurde es langsam etwas kompliziert alle Künstler zu sehen. Einige Auftritte überschneideten sich und man musste sich Wohl oder Übel entscheiden. Ich musste lediglich zwischen The Marble Man und Protestant Work Ethic eine Münze werfen. Da ich aber den Marble Man kannte und die Protestant Work Ethic nicht, fiel es mir nicht ganz so schwer. Also ab wieder zur kleinen Bühne. Die hatten soviel Equipment dabei, dass gar nicht alles da hin passte. Unter anderem wurden unsere Ohren mit Gitarre, Ukulele, Banjo, Akkordeon und Glockenspiel (und natürlich auch mit Gesang) verwöhnt. Schade war es nur für sie, dass draussen eben der Marble Man sang und kurz nach denen auch schon Moritz Krämer an der Reihe war. Ja auch ich hab unhöflicher Weise ihr Konzert eher verlassen weil mir klar war das es bei Moritz Krämer eng wurde und ich sollte Recht behalten.
Schon von aussen sah die Bude krachend voll aus, was aber bei Moritz nix neues ist. Also irgendwie noch mit da reingequetscht und zugehört. Mit seiner unheimlich schönen warmen Stimme, die sich hier und da zwar mal überschlägt aber immer jeden Ton richtig trifft. Mit seinem eigenwilligen Blick auf die Welt und seinem, bei wirklich jedem Lied, zur Seite liegenden Kopf wird es einem sofort warm ums Herz und man möchte ewig dort sitzen bleiben und ihn angucken und zuhören.
Dann stieg meine Aufregung. Sie stieg 90° nach oben. Endlich sollte es soweit sein. Das Stelldichein, auf das ich mich schon seit Monaten gefreut habe: Talking To Turtles. Ungerechter Weise auch auf der kleinen Bühne platziert … Zu den Beiden kann ich nur eins sagen: ich liebe sie und werden sie immer lieben! Ein neues Lied haben sie präsentiert, dass mich gespannt auf das neue Album warten lässt. Ach war das schön. Irgendwie fehlen mir da immer noch die Worte. Als Zugabe haben sie wie erwartet Monster´s Teeth gesungen. Ein Lied zu dem ich persönlich so eine starke Bindung habe, dass es mich erstmal in die Knie gezwungen hat und zum ersten Mal musste ich mir auch eine Träne aus den Augen wischen.
Danach folgten noch Sit-Ins bei The Black Atlantic und Thos Henley, bevor der Meister und der Mann auf den alle gewartet hatten uns die Ehre gab: Gisbert zu Knyphausen. Ungewohnt redselig und völlig entspannt trat er auf die Bühne und hat sofort jeden mitgerissen. Er war so gut drauf, dass ihm beim zweiten Lied schon die erste Saite gerissen ist und das hat ihn etwas aus dem Gleichgewicht gebracht. Aber mit seiner so bezaubernd schüchternen Art und seinem nicht mehr schüchtern sein, wenn er anfängt zu singen hat er uns allen ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Und ich denke nicht nur die Frauen haben ihn angehimmelt. Und es wäre nicht Gisbert, wenn er nicht eine Überraschung im Ärmel hätte. Prompt animierte er alle dazu auf dem Sound-of-Bronkow-Beutel zu unterschreiben und überreichte das ganze dann den Veranstaltern als kleines Andenken.
Aber mit Gisbert war das Festival noch nicht beendet. Zu später Stunde, nämlich 2 Uhr morgens luden The Gentle Lurch zum Abschlusskonzert ins Thalia ein. Auch da fehlen mir wiederrum die Worte. Die ersten die mir eine Gänsehaut, mit ihren kauzigen und knarzigen Melodien die genau ins Gefühlszentrum treffen, verabreicht haben. Untermalt von der sinnlich weiblichen Stimme von Neli und der männlich tiefen Stimme von Lars. Liebe auf den ersten Ton! Anders kann man es nicht beschreiben.
Und mit diesem unbeschreiblichen beflügelten Gefühl bin ich nach Hause und wollte nie wieder aufwachen, weil ich alles für einen Traum hielt. Nächstes Jahr unbedingt wieder und egal wo ich sein werde, ich werde die 3 Tage hier sein, weil ich hier hingehöre!
Ein paar Fotos gibt es hier, aber leider nicht von allen Künstlern. Man bekommt aber einen recht guten Eindruck des ganzen ...